Lustschmerz - warum ich mich von einer Frau auspeitschen lasse

Lustberg

Lustberg

Der Wissenschaftler einer ORF Dokumentation ĂŒber BDSM war sich sicher: „Lustschmerz gibt es nicht. Versuchen Sie doch mal das Bohren des Backenzahnes als lustvoll zu empfinden“.
Nein, das geht wirklich nicht!

In einem bekannten BDSM Podcast wurde kĂŒrzlich eine Femdom interviewt, die nicht erklĂ€ren konnte, warum sie MĂ€nner gerne schlĂ€gt oder sich MĂ€nner gerne schlagen lassen. Sie fĂŒgte hinzu, sie mĂŒsste sich wĂ€hrend einer Session in Erinnerung rufen, dass das „Opfer“ diesen Schmerz genießt.

Ich möchte in diesem Text ĂŒber meine persönlichen Erfahrungen und die damit verbundenen GefĂŒhle schreiben.
Einer (vertrauensvollen) Herrin bin ich sehr dankbar, wenn sie mir Schmerz zufĂŒgt. Denn das ist fĂŒr mich wie Sex, allerdings auf einer viel höheren, geileren Stufe.
Emotionen und Situation werden erlebt, die ein erwachsener Mann nicht mehr kennt: Angst, Geborgenheit, Hingabe, Zuneigung, Stolz, Mann sein, Kontrollverlust, TrÀnen, irrsinnige Lust.
Um die Session etwas zu veranschaulichen, habe ich den Lustberg aufgezeichnet und in Phasen aufgeteilt. Wenn alles perfekt verlĂ€uft - was selten passiert - dann erreicht man den Höhenrausch – wahnsinniger Lustschmerz. Immer wieder wandert das Pendel von Schmerz zu Lust, man wird - im positiven Sinne - verrĂŒckt. Doch wie kommt man da hoch? Der Aufstieg dauert min. eine Stunde.

Ankommen - die BegrĂŒĂŸung der Herrin

Es hilft ungemein, wenn Madame ihm im Voraus bereits die Tour ankĂŒndigt – vielleicht sogar ein paar Tage zuvor. Vorfreude ist schön.
Vor der eigentlichen Tourstart sollte sich der Sub sammeln, z.B. auf Knien (~ 20min).
So kann er sich innerlich in seiner Situation akklimatisieren. Sie kann sich als qualifizierte BergfĂŒhrerin prĂ€sentieren, indem sie ihn authentisch souverĂ€nen fĂŒhrt, seine AusrĂŒstung kontrolliert und erste Tests (kurzer Schmerz) an ihm durchfĂŒhrt. NatĂŒrlich hatte er sie zuvor mit einem Fußkuss begrĂŒĂŸt. Wie beim Ausdauersport ist Pacing entscheidend. Kurzfristige Sprints (harter Schmerz) sollten vermieden werden.

Basislager

Sie beginnt mit dem Flogger den Arsch aufzuwĂ€rmen, sodass er Farbe bekommt. Als Sub bin ich erregt und ĂŒberrascht, dass bei jedem Schlag auf meinen Hintern ein Blutstoß in meinen Penis erfolgt, den ich an meiner Eichel spĂŒre.
Ich fĂŒhle mich stark und mĂ€nnlich, da ich den Schmerz aushalte, Adrenalin und Erregung euphorisieren mich. Gib mir eine Backpfeife. Zeig mir, dass ich am Leben bin! Ich kann der Dame noch in die Augen schauen und lache vielleicht sogar. Ich genieße den Kampf, das Tier in mir wird getriggert und will kĂ€mpfen.
Die erfahrene Herrin wird die IntensitĂ€t der SchlĂ€ge etwas erhöhen, dabei aber immer wieder Pausen einlegen, um sich ĂŒber den Zustand ihres Sklaven rĂŒckzuversichern.

Aufstieg

Als Sub habe ich zwei Möglichkeiten mit Schmerz umzugehen:

1. Ich verweintere mich

Trifft mich ein Schlag, kann ich meinen Körper anspannen, mich klein machen, kurz atmen, die SchlÀge erahnen und so einen rationalen Zugang zu Situation finden. Die Herrin kann so hart schlagen wie sie möchte, es wird mir nicht wirklich wehtun oder Lust bereiten.
Ich kontrolliere mich selbst. Vielleicht ist mein Schwanz trotzdem hart.
Wenn man sich als Paar noch findet, erkennt man die Block-Situation vielleicht nicht. Es gibt Tage da steckt man in diesem Modus fest.

2. Ich öffne mich

Ich akzeptiere den Schmerz und öffne mich. Ich bin nahe bei ihr, mit jedem Peitschenschlag wird es intensiver und ĂŒbergebe mein „Ich“ an sie.
Zu Beginn muss ich dabei etwas gegen die innere Angst kÀmpfen. Ich spanne meine Muskeln nicht (stark) an, Atme tief, öffne meinen Mund, halte eine breite Brust. Ich werde zu ihrem Instrument, meine Brust zum Klangkörper. Mal spielt sie etwas hÀrter, dann weicher. Ich rutsche von Schmerz in Lust.
Durch meinen ganzen Körper strömt eine Lustwelle. Ich atme tief, der Schlag dominiert mein unkontrolliertes Ausatmen. Ist die Lunge voller Luft, ist der Schlag besonders intensiv. Habe ich den Mund offen, kann ich auch nicht kontrollieren, wie es sich anhört. Ob Stöhnen oder Schmerz, das bestimmt sie und man kann es hören. In einer Pause erfolgt ggf. ein inniger Kuss. Wir sind uns innerlich unglaublich nahe. Mit zunehmender IntensitĂ€t und Zeit werde ich immer unterwĂŒrfiger, kann ihr nicht mehr in die Augen schauen. Wenn sie mich auffordert sie anzuschauen, werde ich einen Hundeblick haben. Nichts ist in diesem Moment dominanter als ihr Lachen, sie beherrscht mich.

Trifft mich ein Peitschenschlag, zuckt mein Penis. Mit jedem Schlag wird er hĂ€rter, irgendwann habe ich das GefĂŒhl, er mĂŒsste jetzt abspritzen. Doch das tut er nicht, er tropft. GefĂŒhlt bin ich aber ĂŒber den „Point-of-no-Return“ hinaus.
Irgendwann bin ich nur noch Lust. Ich kann dabei nicht sagen, was ich gerade tue oder wie ich dabei aussehe.

Ich glaube, Frauen fĂŒhlen Ă€hnlich, wenn sie richtig gut befriedigt werden. Wenn der Mann bestimmt, wie viel Lust sie erfahren. Als Mann hat man normalerweise eine gewisse Kontrolle darĂŒber, wie geil man ist, man kann den PC-Muskel anspannen und so Druck abbauen.
Beim Lustschmerz funktioniert das nicht. Der Flogger ist mehr mit meinem Penis verbunden als mein Kopf. Das macht verrĂŒckt, hilflos und vor allem geil. Beim Lustschmerz ist der ganze Körper involviert. Folterwerkzeuge, die nicht eine spezielle Stelle mit Schmerz beglĂŒcken, sind deshalb zu bevorzugen.
Durch Fesselungen, Sinnesentzug oder andere Reize kann die Situation jederzeit noch lustvoller werden.

Worte
Auch das GesprĂ€ch zwischen uns oder ihr Monolog, kann die Session extrem verschĂ€rfen – ob die Herrin dabei eher drĂŒck - mich erniedrigest: „Na komm, stell dich nicht so an. Kontrolliere dich.“ oder sanft zieht: „Das schaffst du“ oder meinem Stöhnen und dem Peitschenknall die Soundkulisse ĂŒberlĂ€sst - alles ist geil.
Es gibt kein richtig oder besser. FĂŒr mich als Sub ist nur wichtig, dass die Herrin es gerne macht und ebenfalls die zunehmende NĂ€he spĂŒrt.

Höhenrausch

Irgendwann bin ich dann nur noch Lust und an der Selbstaufgabe. Die Herrin besitzt mich, bestimmt wie ich fĂŒhle und was ich erfahre. Es ist ein unbeschreibliches GefĂŒhl nun den Orgasmus zu erfahren. Ich zittere am ganzen Körper, mein Körper hat einen Orgasmus, nicht mein Schwanz.

Auffangen

Nach einer Pain-Session bin ich zunĂ€chst etwas emotional und möchte meine Dankbarkeit und Unterwerfung ausdrĂŒcken. Mehr kann ich im ersten Moment auch nicht, der Fußkuss fĂŒhlt sich selten natĂŒrlicher an. Es ist ein bizarres Bild, wenn ein erwachsener Mann sich an die Beine der Frau anlehnt oder seinen Kopf in ihren Schoß legt. Ich fĂŒhle mich schwach, unterwĂŒrfig, dankbar, neugeboren und erschöpft.
Ich bin ich der grĂ¶ĂŸte Softie dieser Welt – innerlich und Ă€ußerlich. Ein entkrĂ€fteter Schlappschwanz, der sich an die Frau anlehnt. All meine mĂ€nnlichen Eigenschaften (StĂ€rke körperlich und geistig, SouverĂ€nitĂ€t, Potenz) sind erodiert, so als hĂ€tte ich kein Geschlecht (weder Mann noch Frau).
SchuldgefĂŒhle
Nach ein paar Minuten habe ich SchuldgefĂŒhle. Ich bin ihr Diener,, doch in den vergangenen Stunden hat sie sich um mich gekĂŒmmert, meine Lust, meinen Sex. Es ist mir richtig unangenehm, ihr jetzt nicht dasselbe GlĂŒck zurĂŒckgeben zu können.
FĂŒr jemand, der so eine Erfahrung bei einer Domina machen darf, ist jetzt Schluss. Bei einer privaten Femdom kommt es nun vielleicht noch zum

Sex.

Wir benötigen eine Pause: „Darf ich dir ein Glas Champagner anbieten“ frage ich. Ich merke, wie ich wieder zum Mann werde. Es fĂŒhlt sich zunĂ€chst richtig komisch an, wenn sie verlangt aufzustehen, denn eigentlich ist der Boden (gefĂŒhlt) mein neues Zuhause. Doch irgendwann kommt es dann zum Sex. Dabei geht es um sie. Ich versuche ein guter Liebhaber zu sein, ihr den Sex zu bieten, den sie sich wĂŒnscht. Oft ist die Frau durch die Session bereits sehr erregt, sie empfindet mich (komischerweise) nicht als Wurm, sondern „bewundert“ meine StĂ€rke und Hingabe. Mein Sklavenstolz verhindert das Verweigern einer Strafe. Kneift sie in meine Brust, werde ich diese hinausrĂŒcken und die Ellenbogen hinter meinem RĂŒcken verschließen, um meine Reflexe zu unterbinden. Greift sie nach meinem Schwanz, werde ich die Beine breit machen und einen stabilen Stand halten. Stets werde ich mich fĂŒr ihre Folter bedanken. „Danke Herrin“. Niemals werde ich Folterwerkzeuge selbst testen. Das kickt die Dame. Es kommt meist zu richtig hartem Sex, ich dominiere das Geschehen, lege meine ganze Energie und GefĂŒhle hinein. Ich diene ihr mit dominantem Sex. Das sie mir vertraut und nun selbst loslassen kann, macht mich stolz.

Kuscheln

Jede gute Session endet bei mir mit kuschen, sie liegt auf meiner Brust. Dass an so einem Abend die Frau nicht nur aktiv dominiert, sondern auch MĂ€nnlichkeit und Dominanz (Sex) von mir einfordert, finde ich großartig. Viele Femdoms haben Angst beim Sex die FĂŒhrung abzugeben, leider.

Die Psyche - Hörigkeit

WÀhrend einer Schmerz-Session werden sehr native Trigger unserer Psyche ausgelöst.
Man kann Unterlegenheit und Unterwerfung spielen oder man kann sie tatsĂ€chlich körperlich spĂŒren.
In der Natur wird das Alpha-Tier (Affen, Ziegen etc.) bestimmt und alle richten sich nach ihm. Bei Boxern oder MMA KĂ€mpfern sagt man hĂ€ufig: „Nach der Niederlage war er nicht mehr derselbe“.

Nun hatten wir diesen Kampf um die Herrscher Rolle in der Session gehabt, die Dame hat mich ĂŒbernommen. In der Psyche wird diese AbhĂ€ngigkeit hinterlegt: Sie bestimmt meine GefĂŒhle - ob es mir gut oder schlecht geht. Unterbewusst möchte meine Psyche mich schĂŒtzen, indem sie mir bei jeder Begegnung oder Anweisung meine Unterlegenheit, AbhĂ€ngigkeit mitgibt.
Diese Hörigkeit existiert auf der GefĂŒhlsebene, in meiner rationalen Ebene kann ich die Situation klar einordnen.

In den BDSM Communities spricht man hĂ€ufig von Naturdominanz. Im Profil muss man hinterlegen, ob man dominant oder devot ist. Das ist Nonsens. Kein Mensch ist allen Personen gegenĂŒber dominant oder devot. Wir handeln das unterbewusst mit jedem Menschen aus.
Dass man aber ganz bewusst durch Sessions eine D/S Beziehung herstellen kann, darĂŒber liest man wenig.
In der Praxis wirkt das devote GefĂŒhl so: Wenn ich im Hotel auf meine Herrin warte, dann möchte ich bereits 1h vor dem Zusammentreffen mit meiner Erektion auf die Knie gehen. Ich lache mich dann selbst aus.
So ein tiefes GefĂŒhl der UnterwĂŒrfigkeit/Hörigkeit erreiche ich nur bei einer Herrin, die mich in den Höhenrausch gefĂŒhrt hatte.

Als Mann sollte man sehr genau ĂŒberlegen, wem man sich anvertraut und wie weit man geht.
Einen Hund konditioniert man Futter, einen Sub ĂŒber Schmerz und Lust.

Bei Fragen, schreibt mich an.

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Subi
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